Verführerische Aquarelle

Verführerische Aquarelle

Faszinierende Kunstwerke Schweizer Künstler

Viele Künstler schätzen die spontanen Möglichkeiten der Aquarellmalerei. Wurden früher Papierarbeiten als reine Vorbereitungsarbeiten betrachtet, so haben viele Künstler im 20. Jahrhundert diese Technik als eigenständige und wichtige Ausdrucksmöglichkeit erkannt.

Das Aquarell ist eine der ältesten Maltechniken. Schon im zweiten vorchristlichen Jahrtausend verwendeten ägyptische Künstler dieses Verfahren zur Illustration von Totenbüchern.

Die Aquarellmalerei im engeren Sinne (als Maltechnik unter Verwendung lasierender Farben) hat sich etwa seit dem 9. Jahrhundert n. Chr. kontinuierlich entwickelt. Der junge Albrecht Dürer (1471–1528) erkannte die einzigartigen Möglichkeiten der Aquarellmalerei. In seinen frühen Landschaftsstudien zeigt er eine Höhe der Aquarelltechnik wie sie erst Jahrhunderte später in England beispielsweise durch William Turner (1775–1851) wieder erreicht wurde. Turner, der als einer der bedeutendsten Aquarellisten gilt, führte die Aquarellmalerei zu technischer Meisterschaft.

Als im Laufe des 19. Jahrhunderts die Freiluftmalerei an Bedeutung gewann, setzte eine breite Wiederentdeckung des Malens mit wasserlöslichen Farben ein. In England förderten Water Colour Societies den Einsatz dieser Maltechnik. Zahlreiche Maler wie Eugène Delacroix, Paul Cézanne, Emil Nolde und Christian Modersohn schufen Aquarelle als eigenständige Kunstwerke. Zu den interessantesten Arbeiten, die die Breite der technischen Möglichkeiten der Aquarellmalerei widerspiegeln zählen die Aquarelle von August Macke (1887–1914), die er auf seiner Tunis-Reise 1914 malte.

Was für viele Künstler ein freies und spontanes Arbeiten ermöglicht, ist für den Kunstliebhaber ein faszinierendes Sammelgebiet. Oft kann man mit Kennerauge eine wahre Rarität für wenig Geld erwerben. Zudem finden sich in jeder Wohnung ideale Plätze um ein schönes Aquarell perfekt zu inszenieren.

Ein sehr schönes Beispiel für eine luftige, zarte und spontan entstandende Aquarellmalerei ist diese Arbeit von Fritz Pauli . Man spürt förmlich den Sommer und die leichte Luftbrise, die die Palmblätter in Cavigliano (Kanton Tessin), wo der Künstler sein Atelier eingerichtet hat, bewegt.

Auch Johannes Robert Schürch wirkte im Tessin. Er hat zum Beispiel das verführerische Aquarell "ohne Titel - Eva mit der Schlange" (Papier: 48.3 x 35.2 cm) erschaffen. Selbst Papier war für diesen begnadeten Zeichner ein teures Luxusgut; oft sind seine Aquarelle und lavierten Tuschzeichnungen eher kleinformatig.