Willi Hartung - Spannende Werkzugänge

Willi Hartung - Spannende Werkzugänge

Grossformatige Aquarelle / Bezaubernde Kleinwerke

Mehr als 10 Jahre sind vergangen seit unserer grossen Willi Hartung Ausstellung in unserer Galerie im heute abgebrochenen Mythenschloss in Zürich.
Höchste Zeit diesem Künstler wieder seine gebührende Beachtung zu schenken.
In den letzten Jahre haben wir regelmässig Werke von Willi Hartung erworben und schätzen uns glücklich, diese nun einem breiteren Publikum zu präsentieren.

Artikel erschienen in der Thurgauer Zeitung zur Willi Hartung Ausstellung in der Galerie WELTI modern art in Zürich, November/Dezember 2007.

WILLI HARTUNG - Immer noch zeitlos sanft und schön
Text von Barbara Fatzer

Eine Wiederbegegnung mit ausgewählten Werken von Willi Hartung ist jetzt wieder möglich: In der Galerie Welti in Zürich sind gegen 40 Aquarelle zumeist aus Privatbesitz zu sehen und auch zu erwerben.

Willi Hartung hat nur seine letzten 16 Jahre in Wigoltingen gelebt, aber er war in der Thurgauer Künstlerszene eine herausragende, wenn auch zurückgezogene Persönlichkeit. Lange bevor er 1952 seinen ihm zusagenden Stil gefunden hatte, war ihm die Bildwelt eines Adolf Dietrich bekannt, mit dem er die genaue Naturbeobachtung und die gegenständliche Wiedergabe teilt. Malerisch stark beeinflusst hat ihn aber die italienische Malerei der Gotik und Renaissance. Das Staunen über die Lebenswelt der Natur wie über Wunder und seine tiefe Religiosität inspirierten ihn zu einer tief farbigen Malerei mit speziellen Lichtsituationen. Was da aufscheint, könnte man als naiv bezeichnen, vor allem da er sich auch keiner zeitgenössischen Kunstströmung zuwandte und seine Bilder eine heile, heitere Weltsicht zeigen. Da Willi Hartung die Ganzheit von geistiger und materieller Existenz suchte, würde das sein Schaffen nicht richtig beschreiben.

Begnadeter Farbkünstler

Nach seinem Tod gab es Ausstellungen aus dem Nachlass, wobei ein grosser Teil der noch vorhandenen Aquarellen in Privatbesitz überging. So ist es nach seinem Tod ruhig geworden um diesen Künstler. Nun hat ein junger Galerist Bilder von ihm aufgestöbert und ermöglicht so in einer Ausstellung das Wiedersehen mit bekannten, aber auch noch kaum gesehenen Bildern von den 1950er Jahren an. Sie zeigt schön, was die Hauptthemen von Willi Hartung waren und wie er sie gestaltet hat: da sind die zartfarbenen Eindrücke von seinen Reisen in Sizilien oder Griechenland und die ungemein differenzierten, farbdichten Bilder von seinen Aufenthalten in Mexiko (1969–1971) oder Sri Lanka (1974). Dazwischen seine Interpretationen über das Leben von Jesu, von Heiligen und Engeln, die nichts Frömmlerisches an sich haben, sondern ganz aus einer vertieften Beschäftigung mit deren Sein und Wirken resultieren. Manche Bilder mit Goldhintergrund könnten darum auch als Ikonen angesehen werden, die aber keinen kanonischen Formalismus übernehmen. Willi Hartung war frei, wenn er sich biblischen Themen annahm.

Der Künstler hat sich 1969 selbst so über seine Art Malerei geäussert: «Ein Bild sollte Achtung und Liebe zum Ausdruck bringen: zum Nächsten, zu mir selbst, zu allen Menschen, zu allem Leben, zur ganzen Natur. Und auch Achtung und Liebe zum Unbekannten, zu dem, was wir noch nicht gesehen haben, nicht wissen, nicht verstehen. Dies bringt uns also in eine vernünftige, positive Haltung ... zu allem Sichtbaren und Unsichtbaren und lehrt uns, eine möglichst untragische Weltbetrachtung, die sich durch keine sogenannte enttäuschende Erfahrung von ihren Zielen abbringen lässt. Dadurch wird jeder Tag des Lebens zu einem ersten, neuen Tag und damit kann jedes Bild ein klein wenig eine neue Seite der Welt, ein neues Erlebnis geben...»