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Biographie Eduard Gubler

*27.3.1891 Zürich, †18.5.1971 Zürich.

Ältester der Gubler-Brüder. Der Vater ist Dekorationsmaler und Restaurator. Von 1905 bis 1952 regelmässige Aufenthalte im Riedertal (Uri). Besucht von 1906 bis 1910 das Lehrerseminar in Küsnacht, Schüler von Emil Anner. Von 1910 bis 1913 Primarlehrer in Zürich. Freundschaft mit dem Dichter Karl Stamm, dessen Werke er später herausgibt. Von 1913 bis 1914 an der Kunstgewerbeschule in München, Schüler von Julius Diez und Hans Blum. Im Sommer 1914 Studienreise zusammen mit Karl Stamm und dem Maler Adolf Holzmann nach Holland. 1914–16 an der Hochschule für bildende Kunst in München in der Radierklasse von Peter Halm. Ab 1916 ständiger Wohnsitz in Zürich, wo er von 1917 bis zu seiner Pensionierung 1953 als Zeichenlehrer tätig ist. Gehört zum Kreis der Zürcher Expressionisten. 1920 und 1921 Aufenthalte in Lugano. 1921–28 Atelier im Letten, Zürich, wo auch seine Brüder sowie Karl Geiser, Gregor Rabinovitch und Ignaz Epper arbeiten. 1922 Reise nach Süddeutschland. 1925 Heirat mit Maria Bilek. 1927 Reise nach Paris. Seit 1949 regelmässige Aufenthalte im Atelierhaus von Max Gubler in Unterengstringen.

Frühe Zeichnungen und Radierungen, stimmungsvolle Naturschilderungen, lehnen sich an Jugendstil und Symbolismus an. In München erste Malversuche im Stil des Münchner Realismus, später eines tonigen Impressionismus (Nordseelandschaften, 1914). Unter dem Eindruck des Krieges setzt sich Gubler mit der Darstellung menschlicher Schicksale auseinander. Nach seiner Rückkehr nach Zürich 1916 entstehen eine Reihe ausdrucksstarker, dunkeltoniger Gemälde, daneben zwei Zeichnungszyklen und Druckgrafik. Bedeutende expressionistische Werkgruppe, darin Anklänge an Max Oppenheimer, Wilhelm Lehmbruck und die Gotik. Zu lesen sind die Werke als Metapher für den Künstler, für das schmerzlich empfundene Dasein des sensiblen, randständigen Menschen. Um 1918 wendet er sich bereits früh der Neuen Sachlichkeit zu. Im Riedertal mit seinen Bewohnern findet er die als ideal empfundene Welt, die den Stoff zu seinen Gemälden abgibt. Beeindruckende Folge subtiler Schilderungen, die von einer grossen Zuneigung zu Mensch und Tier sprechen. Klar voneinander geschiedene Farbflächen, betonte Räumlichkeit und scharfe Konturen rücken die in altmeisterlicher Manier gemalten Bilder in die Nähe der Valori Plastici. Ab 1922 keine Druckgrafik mehr. Ein klassischer Bildaufbau charakterisiert die Werke ab Mitte der 20er Jahre, die im Zusammenhang mit Picassos neoklassizistischen Gemälden und Bildern von Max Gubler aus der gleichen Zeit zu sehen sind: Figuren in einfachen Formen und schlichter Monumentalität neben Stilleben, die oft in das geschlossene Bildgeviert eingefügt sind. Malerisch zunehmend an Renoir, Bonnard, später Vuillard orientiert, erscheinen die Valeurs nun in feiner Abstufung. Umfangreich ist das in den 30er Jahren einsetzende Spätwerk. Die Motive schöpft Gubler nur noch aus seiner nächsten Umgebung oder aus der Erinnerung an einen einmaligen Moment. Unter dem Einfluss von Edvard Munch zeigen die Motive fliessende Konturen und zusammenhängende Flächen. Charakteristisch sind eine Palette aus hellen, delikaten Pastelltönen und in neoimpressionistischer Art aufgetragene Farben. Die Figuren sind anonym, typisiert, dies als adäquate Form für die Darstellung zeitlos gültiger Werte wie das private Glück und die bukolisch arkadische Landschaft. Gegen Ende des Lebens erneute Hinwendung zu einer sachlichen Darstellungsweise.

Doris Fässler, aus Sikart – Biografisches Lexikon der Schweizer Kunst, Herausgeber: Schweizerisches Institut für Kunstwissenschaft, 1998, Verlag Neue Zürcher Zeitung, Zürich